Naturpark Barnim
Großschutzgebiet der Länder Brandenburg und Berlin
Geschützte Tiere

Umwelt und Naturschutz

Unsere Igel
Igel gehören entwicklungsgeschichtlich zu den ältesten noch existierenden Säugetieren. Sie leben seit ca.15 Millionen Jahren in dieser uns bekannten Form mit Stacheln und der Fähigkeit sich einzurollen. Der Lebensraum unserer Igel ist im Allgemeinen sehr strukturreich. Abwechslungsreicher Bewuchs aus Hecken, Gebüsch, Bodendeckern und offene Grasflächen bieten Platz für Unterschlupf und Nistgelegenheit und sind Grundlage für ein vielfältiges Nahrungsangebot. Meist leben unsere einheimischen Igel heutzutage in den Randbereichen der Städte und Dörfer, weil sie dort noch abwechslungsreiche Strukturen vorfinden. In den oft eintönigen Agrarwüsten mit enorm großen Feldern ohne Hecken und andere Randbiotope fühlen sich die kleinen Stacheltiere nicht wohl.
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Unsere Igel sind Einzelgänger und leben vom Frühjahr bis in den Spätherbst sehr aktiv und streifen oft und weit umher. Die Männchen haben zum Teil über 100 Hektar große Reviere. Die Reviere der Weibchen sind mit ca. 30 Hektar entschieden kleiner. Die Größe der einzelnen Reviere richtet sich oft nach der Verteilung der weiblichen Tiere und nach dem Nahrungsangebot. Diese sehr aktive Lebensweise birgt allerdings auch große Gefahren für unsere Igel. Die größte Bedrohung stellt der Mensch dar. Sehr viele Igel sterben den Verkehrstod, wenn sie auf ihren Wanderungen die vielbefahrenen Straßen überqueren. Gerade jetzt im Herbst sind viele Tiere unterwegs, um sich ein geeignetes Winterquartier zu suchen. Sie haben sich ein Fettpolster angefressen und suchen nun einen Unterschlupf, um die kalte Jahreszeit in einer Art Dämmerschlaf zu überstehen. Beim Winterschlaf sinkt die Körpertemperatur von fast 35 °C bis fast auf die Umgebungstemperatur, allerdings nie unter 4°C. Der Stoffwechsel läuft auf totaler Sparflamme und das Igelherz schlägt nur noch 8-9 mal pro Minute. Im Sommer rast es mit 170-200 Schlägen pro Minute. Um den Winter zu überleben, benötigen die Igel aber nicht nur diese Fähigkeiten, sondern benötigen auch entsprechende Unterschlupfmöglichkeiten.

Aber leider gibt es immer weniger geeignete Möglichkeiten für unsere stacheligen Insektenjäger. Vor einigen Jahren fanden Igel noch Unterschlupf in Feldscheunen, Holzschuppen und unter Holzschubern. Heutzutage werden Scheunen ausgebaut, Holzstapel verschwinden, weil keiner mehr mit Holz heizt, und unsere Schuppen bauen wir zu Garagen oder Partyräumen um. Und wo bleiben unsere Igel? So mancher Gartenfreund und Hofbesitzer hätte doch gern auch im nächsten Jahr wieder die putzigen und überaus nützlichen Insektenjäger bei sich.

Und es gibt einige Möglichkeiten etwas zum Igelschutz beizutragen. Zum Beispiel sollten wir bei unserer Gartengestaltung darauf achten, den Igeln genug Platz und Vielfalt zu bieten. Ein Reisighaufen vom Frühjahrsschnitt muss doch nicht geschreddert oder verbrannt werden. Er würde einem Igel den ganzen Sommer über als Unterschlupf dienen. Und auch für den Winter würde der Haufen mit extra Reisig und Laub abgedeckt ein prima Quartier abgeben. Und wenn es die Kleingartenordnung nicht erlaubt Reisig und Laub zu "Lagern"; kann man sich trotzdem etwas einfallen lassen. Wie wäre es mit einem Holzstapel an der Südseite der Gartenlaube?
Das wäre nicht nur ein schöner Blickfang sondern würde den Artenschutz in ihrem Garten enorm vorantreiben. In einem Holzstapel ist nämlich Platz für viele bedrohte und gefährdete Tiere. So leben z.B. Solitärbienen und -wespen an und von diesem Holz und wenn man es richtig anstellt, kann so ein Holzstapel als Winterschlafplatz für einen Igel dienen. Um dem Igel eine Möglichkeit zu bieten, sein Winterquartier aufzuschlagen, gestaltet man den Holzstapel so, dass unter der Grundplatte einige Hohlräume frei bleiben oder die unteren Scheite Hohlräume bieten. Durch eine verwinkelte Anordnung der untersten Holzscheite entstehen wettergeschützte Hohlräume für Igelnester.
IgelbehausungWer lieber etwas dauerhafte Igelbehausungen bauen möchte, greift zu Feld-, Pflaster-, Ziegel- oder Hohlblocksteinen. Wenn man die Steine so anordnet, dass im Inneren der Igelburg ein Hohlraum bleibt und den Eingang mit einem Windfang versieht, wird auch der erste Igel nicht lange auf sich warten lassen.
Zusätzlich kann man den Bau mit einer Schicht Grassoden belegen, um die Wärmeisolierung noch zu erhöhen. Bei allen Bauweisen, egal ob aus Holz oder Stein, ist es allerdings wichtig, dass unsere Igelquartiere einsturzsicher sind und im Winter in Ruhe gelassen werden.

Natürlich ist jeder von uns neugierig ob sein Igelhaus denn angenommen wurde. Und die Verlockung mal nachzusehen ist doch recht groß. Aber gerade im Winter ist jede Störung für den Igel lebensgefährlich. Sollte der Bewohner unseres Baues aus seinem Winterschlaf erwachen, verbraucht er seine Fettreserven zu schnell und er würde bei einem längeren Winter einfach verhungern. Aber wie können wir ohne Störung feststellen, ob nun ein Igel bei uns eingezogen ist? Nun, es ist ganz einfach. Ob ein Igelbau bewohnt ist, lässt sich mit einem simplen Trick feststellen: Man steckt vor den Eingang einen Strohhalm, den der Igel beiseite schieben muss, wenn er sein Nest verlässt.

Gute und sichere Igelburgen werden auch als Sommerunterkünfte gern genutzt. Wenn also die Umgebung genug Nahrung bereithält und Störungen wie Hunde und Katzen nicht dauerhaft auftreten, kann man unseren bestachelten Insektenjäger das ganze Jahr über beobachten. Und auch wir profitieren von der Anwesenheit eines Igels. Als Insektenfresser ist der Igel ein bedeutender biologischer Schädlingsbekämpfer. So stellen Käfer, Schmetterlingslarven und Regenwürmer den Hauptanteil der Igelnahrung. Außerdem frisst unser einheimischer Igel sehr gern Ohrwürmer, Käferlarven, Schnecken und vieles mehr. Da der Igel kein Vegetarier ist, frisst er auch kein Obst, hält sich aber oft in dessen Nähe auf, um dort Insekten zu jagen.

d.krone

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